Kennst du den Unterschied zwischen einer Squier Bullet und einer Squier Affinity?

Die Farbe! Zumindest manchmal.

Für 119 € (Juli 2018) habe ich beim freundlichen Musikalienhändler in Brilon eine Squier Bullet Strat HSS in Arctic White erstanden. Und bei der Demontage derselben zu Hause fiel auf, dass es eine Affinity war. Oder sind als Affinity verkaufte Squier in Echt Bullets? 

Aktuell werden neue Affinity Strats, nach meiner Kenntnis, nur mit der grossen 70er Kopfplatte verkauft. Es gibt aber auf dem Gebrauchtmarkt Affinitys mit kleiner Kopfplatte und den Tunern der aktuellen Bullets. Es scheint, dass Squier bei den Bullets und Affinitys recht grosszügig mit den Spezifikationen umgeht. Aber egal.

Eine weisse Bullet musste es also sein. Als Basis für einen Umbau. Doch vorab eine kurze Hörprobe der Bullet frisch vom Händler mit den originalen Saiten. Diese waren so schlecht, dass sich die Stratocaster kaum stimmen liess.

 

Was Negativ auffiel:

  1. die aufgezogenen Saiten sind Müll
  2. die dick aufgetragene PU Farbe neigt, bei starker mechanischer Einwirkung, zu Abplatzern
  3. Saitenniederehalter versetzt montiert, erzeugt permanent Verstimmung
  4. billige Mechaniken
  5. billige Bridge

Neutral:

  1. Tonabnehmer Geschmackssache

Positiv:

  1. Fender Optik
  2. saubere Lackierung
  3. Bundierung makellos
  4. Hals 1 A
  5. nur 2,9 kg Gewicht
  6. Abschirmfarbe

Body und Hals sind also gut und dienen damit als Basis für den Umbau. Alles ausser Hals und Pickguard wurden direkt bei Eb** für 50 € verkauft, so dass der Gitarrenpreis sich auf 69 € reduzierte.

Der Squier Umbau

Bodywork

Der Hals (nicht das Griffbrett) wurde mit Hartöl eingerieben, 24 Stunden gewartet, dann gut abgewischt und nochmals geölt. Nach weiteren 24 Stunden wurde er mit einem Tuch poliert. Und noch einmal 24 Stunden warten. Dünn einreiben mit Carnauba Wachs, 24 Stunden warten, Hals polieren, 10 Stunden warten, wieder einwachsen und 24 Stunden warten. Danach polieren (einfach mit einem sauberen Baumwolltuch) und den Hals 2 Tage liegen lassen. Danach kann erc wieder montiert werden. Nun glänzt er wie mit einer hauchdünnen Lackierung und nimmt nicht mehr jeden Schmutz und Handschweiss auf.

Bevor der Hals beschichtet wurde, wurden FENDER Vintage Tuner (Modell-Nummer: 0992074000) besorgt und der Hals hierfür angepasst. Die Bohrungen wurden erweitert und neue Schraublöcher für die Tunerverschraubungen angebracht.

Hals mit Tunern nun wieder an den Body schrauben und ein Decal nach Wunsch anbringen. Diesmal habe ich mich für ein FENDER Decal entschieden.

Als neue Bridge kommt die einer Fender Mexiko Standard (Modell-Nummer: 0071014049) zum Einsatz. Diese ist günstig und gut, aber mit etwas zu langem TremoloBlock, weshalb die Tremoloabdeckung abmontiert bleibt. 

 

Das neue Pickguard

3 Single Coil sollten es werden, aber dennoch etwas ganz Anderes, aber auch wieder einfach zu bedienen. Nach intensiver Recherche über Super- und Megaswitche kam dieser Plan zustande. 

Schaltplan Squier Bullet Strat

Bullet Wiring

Ich gebe gerne zu, dass das ein verwirrendes Geschreibsel ist, obwohl der Plan die komplette Verdrahtung korrekt wieder gibt. Um aber dem verwirrten Betrachter zu helfen, hier die einfache Erklärung:

Geh zur Schaller Webseite und such Dir unter „Megaswitsh M“ den entsprechenden Schaltplan deiner Wahl. Ich habe SSS5 verwendet.

Anstatt beim Tonepoti einen Kondensator einzubauen, baust du in die mittlere Pickguard Bohrung einen 2P6T Schalter ein. Dieser hat an der Unterseite 2 Pole in der Mitte. Einen hiervon mit Masse und den anderen mit dem linken „Ärmchen“ des Tonepotis verbinden.

Um diese 2 Pole befinden sich 12 weitere in Kreisform. An jeweils gegenüber liegenden Polen wird ein Kondensator angeschlossen. An besten vorher mit einem Messgerät Position 1 feststellen, damit man weiss welcher Poti bei welcher Stellung aktiv ist. Und man kann eine logische Reihe schalten.

Folgendes ist meine Lösung:

Drehschalter

  1. Pos 1: 470 nF
  2. Pos 2: 47 nF
  3. Pos 3: 22 NF
  4. Pos 4: 10 nF
  5. Pos 5: 1 nF
  6. Pos 6: 0,33 nF

Der Megaswitch wirkt kompliziert, ist es aber nicht wirklich. Nur schwer die kleinen Punkte zu Löten. Er hat 24 Anschlüsse. 12 auf jeder Seite. Die Anschlüsse der von den Single Coils abgewandten Seite tragen die Buchstaben A-L. Hiervon wird keiner benötigt.

Auf der anderen Seite sind es die Buchstaben M-X. Nicht benötigt werden hiervon N, O, Q, S, U und V. Es wird also nur an 6 Punkten gelötet.

Dies ist eine Standard Stratocaster Schaltung:

  1. Neck
  2. Neck und Middle (parallel)
  3. Middle
  4. Middle und Bridge (parallel)
  5. Bridge

Bei meiner Schaltung erhalten wir

  1. Neck
  2. Neck und Middle (seriell)
  3. Neck und Middle und Bridge (seriell)
  4. Middle und Bridge (seriell)
  5. Bridge

In Verbindung mit den von mir modifizierten Single Coils mit hohem Output gibt dies in Pos 2 und 4, besonders aber in Pos 3, erheblich mehr Volumen. Daten der Single Coils:

  1. Neck: ~ 8kOhm, Alnico III, Polarität Süd, Brummunterdrückt
  2. Middle: ~ 10,5 kOhm, E-D Alnico II, G-e Alnico 5, Polarität Nord, Brummunterdrückt
  3. Bridge: ~ 9 kOhm, E-D Alnico VIII, G-e Alnico V, Polarität Süd, Brummunterdrückt

Als Potentiometer habe ich 220 k Potis verbaut. Noch eins zu den Kondensatoren. Es müssen nicht 45 € Dinger aus „alter russischer Produktion“ oder original Fender für 20 € sein. Alles egal bis auf eines: bitte keine Keramik Kondensatoren!

Fazit Kosten:

Gitarre, Tuner, Bridge, Neckplate, Pickguard in Weiss, Single Coils, 2p6T Switch, Schaller Megaswitch und Kleinkram, alles zusammem ca. 250 €.

50 € für Bullet Teile bekommen. Hat also ca. 200 € gekostet.

Die Gitarre ist echt gut, leider hapert es im Video am Typen am Instrument. So richtig rüber kommen die verschiedenen Klänge, und mit Nutzung des Tonepotis und des Drehschaltersw hat man 30 davon, nicht rüber. Deshalb hier ein letztes Fazit:

Für 200 € habe ich eine Stratocaster, welche alle! Squier Modelle weit hinter sich lässt und auch vor vielen Fendern sich nicht zu verstecken braucht. Zumindest vom Klang und der Bespielbarkeit. Die Qualität eines Fender Body oder Halses wird aber wahrscheinlich besser sein. Falls nicht…GIBSON lässt grüssen!