Yamaha Pacifica 112J Mod

Yamaha Pacifica 112J Mod

Yamaha Pacifica 112J Mod

Yamaha Pacifica 112J Original

Pacifica 112J

Lackabplatzer an Yamaha Pacifica 112J

Lackabplatzer an Yamaha Pacifica 112J

60 € für eine Strat (keine Stratocaster, ist ja keine Fender) von Yamaha. Inklusive Verstärker, Gig Bag und Kabel. Da kann man nicht dran vorbei gehen. Hatte zwar einen Lackabplatzer an der Rückseite und noch die ersten Seiten drauf, obwohl schon etliche Jahre alt, wurde aber als Bastelprojekt erworben. Was soll man schon bei 60 € falsch machen?

Obwohl das Bild täuscht! So sah sie nach der Reinigung aus. Ich mag Schwarz-Weisse Gitarren eigentlich nicht. Und diese schon gar nicht. War der Hals von der Grundsubstanz noch gut in Schuss, also nicht abgenutzte oder scharfkantige Bünde, gerade und einstellbar, so liess der Body zu wünschen übrig. Der Lackabplatzer kam wohl durch eine Blase zwischen Lack und Body zustande. Hielt man das deckend schwarz lackierte Rückteil des Body schräg ins Licht, konnte man die Verbindungslinien des 3-teiligen Erlen Body sehen.

Zusätzlich entsprach der Klang der Yamaha Pacifica 112J so gar nicht meinem Geschmack. Irgendwie zu dunkel und etwas gebremst. Also wurde der Radikalumbau beschlossen.

 

Gerne würde ich mit Bildern der Umbauarbeiten am Body dienen, finde aber selbige nicht mehr. Nur soviel: das Abschleifen der Farbe war eine schlechte Idee. Die Farbschicht war sehr dick, wohl nicht zuletzt weil der Body mal Metallicblau gewesen ist. Mehrere Schleifscheiben wurden in kürzester Zeit ruiniert. Nächstes mal probiere ich den Heissluftföhn.  Dann wurden noch die Hörner abgesägt und diverse Versuchsfräsungen durchgeführt. Es sollte einfach anders aussehen.

Irgendwann, nach Wochen (mit Pausen), war das Teil fertig. Fertig bedeutete keine Lust auf weitere Aktionen und gleichzeitig gutes Wetter. Lackierwetter. Als Versuchsobjekt musste diese ehemalige Strat einige Prozeduren über sich ergehen lassen, welche bei anderen Projekten später eventuell Einzug halten könnten. Als erstes die

Furnier Echtholz Beschichtung

Pacifica 112J mit Furnier

Pacifica 112J mit Furnier

Dafür eignet sich die relativ ebene Rückseite. Sprühkleber auf Furnier und Body, antrocknen lassen bis der Kleber Fäden zieht, Furnier drauf und mit Büchern beschweren. Zum Glück lese ich dicke schwere Wälzer. Über Nacht trocknen lassen. Dann Kanten mit einer Rasierklinge schneiden und schleifen. Anschliessend mit transparentem Holzfüller einsprühen (nein, es wird nicht total glatt, so viel habe ich nicht drauf gesprüht) und zum Schluss 2 Lagen Klarlack. Und transparent schwarzen Klarlack auf den Ausschnitt.

Front und Seiten wurden nach dem trocknen der Rückseite mit Holz Porenfüller transparent 2 lagig besprüht und dann wieder angeschliffen. Dann folgendes auflackiert:

Seiten mit Chromspray

Front mit Klarlack mit Goldflimmer

Seiten und Front mit transparent Orange

Über alles 2 Schichten Klarlack

Alles anschleifen

Letzte Schicht Klarlack

Neue Pickups

für Yamaha Pacifica 112J…Sind immer so ein Thema. Wie wäre es mit denen für 1200 € gebraucht bei Ebay. Natürlich aus einer original 72er Fender. Nur die klingen gut. Alternativ 200 € für Fender Fat 50s. Also…unter Fender Tex Mex läuft hier nichts!

Pickups für 112J vor dem wachsen

Pickups für 112J vor dem wachsen

Oder doch?! Nachdem der Body fast mit Hammer und Meissel bearbeitet wurde, ist ein Experiment bei den Pickups eine logische Folge. Ich greife bei den Pickups, zumindest bei Neck und Middle Pickup, auf eine allseits bekannte Methode zurück: Voodoo!

Ich nehme aus meiner Grabbelkiste 3 billigste chinesische Keramik Pickups mit Wiederständen von ca. 5,9 kOhm. Mit Gewalt, denn das Beschädigen selbiger brächte lediglich einen Verlust von ca. 3 €, werden die Keramikmagneten entfernt. Einfach in eines der Löcher zwischen den Polepieces eine kräftige und lange Holzschraube rein drehen. Die drückt den festgeklebten Magneten ab. Und das funktioniert erstaunlich gut, nichts geht kaputt. Ausser den Keramikmagneten. Dann werden die Polepieces rausgedrückt um Platz für Alnico Magnete zu schaffen. Laut vorherrschendem Voodoo geht da nichts drüber.

Der ursprünglich für die Bridge ausgelegte Pickup erhält auf EAD Alnico VIII und auf GBE Alnico V Magnete. Er kommt nicht mehr in die Bridge, sondern die Mitte.

Der Neck Pickup bekommt auf EAD Alnico II und auf GBE Alnico III Magnete. 

Beide Pickups werden gestaggert, erhalten also unterschiedliche Höhen der Stabmagneten. Aber nicht nach klassischem Vorbild, sondern nach gutdünken. Und um ungewollte Klangänderung durch Pickup Kappen, welche, wenn nicht von Fender, den Klang negativ beeinflussen, werden die Kappen nicht mehr benutzt sondern die Pickups durch Kordel geschützt. Klappt bei guten Telecastern auch. Voodoo. Wird schon klappen.

Pickups wachsen für 112J

Pickups wachsen für 112J

Damit aber auch sicher kein Mensch die Dinger nachbauen kann, werden sie, Voodoo, in einer Spezialmischung gewachst. Wie, du glaubst dass wäre Quatsch? Es gibt Leute, die verkaufen ungewachste Pickups teurer, da sie klanglich näher an der „Original-Fender-Stratocaster“ von irgendwann dran seien. Andere bieten teuer Pickups ohne Wachs, sondern mit Epoxydharz oder Silikon oder sonstwas an, da der „Wachs-Sound“ minderwertig ist. Voodoo. Beweist mir Voodoo-Gläubigen aber, dass die Hohlraumbefüllung ungemein wichtig ist. Also mische ich 80 % Stearin mit 20 % Bienenwachs (beides über Amazon), füge eine Bienenwachskerze des örtlichen Freizeitimkers dazu (danke nochmals für die Kerze!), kratze etwas von meiner letzten Geburtstagskerze mit dieser hohen Zahl ab und füge es hinzu und zum Schluss, und für die Farbe, 1/3 einer durchgehend schwarz eingefärbten Kerze vom HIT. Das alles auf 67 Grad Celsius erwärmen, Pickups 15 Minuten rein hängen bis keine Bläschen mehr kommen und der eventuell vorhandene Chinawachs geschmolzen ist und sich mit dem Rest vermengt hat, dann Heizung aus und ca. 30 Minuten abkühlen lassen bis der Wachs nur noch 61 Grad hat, Pickups entnehmen und trocknen lassen. Fertig. An die Bridge kommt ein 9 € Alnico V China Humbucker.

Saitenführende Teile

Der Sattel der Yamaha ist OK und bleibt. Die Tuner sind sehr sehr ähnlich, oder gar gleich, denen einer Squier Affinity oder Standard Stratocaster (Indonesien! Nicht China). Also weg damit, sind auch schon etwas labberig, und Fender Schaller Locking Tuner drauf. Die sind in Deutschland hergestellt und Top. Zumindest früher. Heute kosten sie immer noch ca. 80 € und kommen aus Taiwan?! Also doch die aus China für 30 €. Sehen den Fender Teilen verdächtig ähnlich, eine gute Kopie halt, sind aber nicht gestaggert. Dazu noch ein gutes Tremolo mit Zink Big Block und steckbarem Jammerhaken für jämmerliche 20 €. China halt. Saiten von Fender (als ob die welche selbst herstellen) dazu, fertig.

Finish

Vor dem Zusammenbau noch den Body etwas polieren, neue Löcher direkt über den alten für die Locking Tuner anbohren, Security Locks für den Gurt (3 € der Satz, ich verrate mal nicht woher), und Body mit Hals zusammenschrauben. Neue Pickups verlöten, dabei Neck Pickup am Middle Kontakt und umgekehrt für den Middle Pickup Lötanschlüsse vertauschen. Alles montieren. Einen neuen Jack (nicht aus China, denke ich) rein, der alte war ausgelutscht. Alles zusammenschrauben. Fertig. Ab an den Amp.

Klang

Yamaha Killer Strat

Yamaha Killer Strat

In der Gitarre Bass Zeitung wurden mal Pickups für sehr gut befunden, bei welchen der Tester den Klang mit „Braun“ beschrieb. Ich möchte keinen braunen Klang! Klang beschreiben ist schwer. Ein Video hilft hier, obwohl der Klang je nach Amp anders ist, dann durch das Aufnahmegerät muss und schliesslich über einen Smartphone Lautsprecher gehört wird. Durch die Änderung des Lötanschlusses gibt es jetzt folgende Schaltungen beginnend bei der Bridge.

  1. Bridge
  2. Bridge und Neck
  3. Neck
  4. Neck und Middle
  5. Middle

Klanglich nicht mehr mit der original Pacifica 112J zu vergleichen. Hat sich gelohnt. 

Fazit

Dieses Projekt hat Spass gemacht und einen überraschend positiven Ausgang genommen. Auch wenn die Body Kontur nicht ideal ist gefällt mir, und da es meine ist, ist das wichtig, sehr gut! Die Lackierung hat gewollt nach wenigen Wochen Alterungsrisse bekommen. Auf den Bildern schlecht zu erkennen, aber es sind keine Kratzer. Die Fräsarbeiten sind Verbesserungsbedürftig, war aber halt ein Testprojekt.

Für mich hat sie etwas einer 50er Jahre Gitarre. Und das finde ich gut!